„Meine Tattoos reden für sich selbst“ — mein Weg von der Musik zum Tattoo Artist

Ich bin Rita. Auf Instagram findest du mich als CATO — Ich tätowiere in Rheine: Fine Line, Floral, Anime.
Vor vier Jahren gab es das alles noch nicht. Als in der Ukraine der Krieg begann, bin ich nach Deutschland gekommen. Hier hat mir eine sehr liebe deutsche Familie geholfen. Und dann kam eine lange Zeit, in der ich gesucht und gezweifelt habe. Vor allem an mir selbst. Ich hatte große Angst davor, mir einzugestehen, dass ich tatsächlich das tun könnte, was ich wirklich liebe.
Musik, Krieg und endlich kam die Kunst
Beruflich war ich in der Musik. Lange. Irgendwann habe ich gemerkt: Ich sehe mich da nicht mehr. Diesen Weg wollte ich nicht weitergehen.
Gezeichnet habe ich trotzdem immer. Seit ich fünf bin. Überall, wo ich konnte, und eigentlich alles, was mir in die Hände kam. In der Schule habe ich die Seiten aus meinen Heften gerissen und vollgemalt — so lange, bis das Heft ganz dünn war. Irgendwann wurde meine Mutter misstrauisch. Sie war manchmal ziemlich sauer auf mich, weil ich ständig nur am Zeichnen war.
Später war ich auf einer Musikschule. Dort gab es auch eine Kunstabteilung, und ich habe zusätzlich Unterricht genommen. Einfach war das nicht, ich habe mich mehr schlecht als recht durchgekämpft. Aber da habe ich das akademische Zeichnen gelernt. Das Zeichnen war immer da. Ist immer noch da. Geht wahrscheinlich auch nicht mehr weg.
Henna am Meer war schon Tätowieren. Nur ohne Nadel.
Irgendwann habe ich mich dann doch entschieden: zurück zum Zeichnen. Nur in einer ganz anderen Form. Tätowierkunst.
So fremd war das gar nicht. Früher habe ich mit Kindern am Meer gearbeitet. Temporäre Tattoos mit indischem Henna, Glitzertattoos, afrikanische Zöpfe. Farbe auf Haut kannte ich also schon.
Dann kam der Gedanke: echte Tattoos lernen. Ich habe sehr lange nach einer Lehrerin gesucht. Nicht irgendjemand — jemand, die es wirklich kann. Entschieden habe ich mich für eine Tattoo Artist mit damals etwa fünf Jahren Erfahrung, bekannt für ihre feinen, sehr filigranen Fine-Line-Arbeiten. Sie ist selbst Ukrainerin, lebt in Tschechien und kommt als Guest Artist nach Deutschland. Ich habe sie gefragt, ob sie auch in meine Stadt kommt und mir beibringt, richtig zu tätowieren und meine Hand zu trainieren. Einige Zeit später haben wir das tatsächlich gemacht.
Ein ganz normaler Tag bei mir
Seit dem Sommer arbeite ich im Studio Mana’s Ink in Rheine. Davor habe ich in einem Tattoo-Kabinett in Rheine-Mesum gearbeitet.
Mein Tag: morgens das Kind zur OGS, dann sofort ins Studio, weil ich schon eine Terminabsprache hatte. Aufschließen konnte ich nicht — es war schon aufgeschlossen. Ja, manchmal sind wir alle so dumm.
Dann Skizze drauf, gucken, wie schön das aussehen wird, tätowieren. Danach fotografiere ich abgeheilte Tattoos von meinen Kunden. Abends noch die Unterlagen.
Worauf ich Wert lege: wie und was gestochen wird. Und wo dein Tattoo platziert wird. Bei mir bekommst du immer eine gute Beratung. Im Studio ist es gemütlich und ruhig, ohne Stress. Und was ich am wichtigsten finde: dass man sich immer wieder weiterbildet. Das hört nie auf.
„Mein Deutsch ist so scheiße“
Ich lebe seit vier Jahren in Deutschland und ich entschuldige mich immer noch ganz viel für meinen komischen Akzent. Manchmal ist mir das peinlich. Ich kenne ein Wort nicht, oder ich vergesse es, oder ich kann mich einfach nicht ausdrücken.
Eine der wichtigsten Fragen in diesem Beruf ist aber eine ganz andere: Kannst du zeichnen? Ja. Ich kann zeichnen. Ich habe in der Ukraine eine Ausbildung im Zeichnen gemacht. Und meine Tattoos reden für sich selbst.
Deshalb zeige ich lieber, statt zu erklären. Abgeheilte Arbeiten statt frisch gestochener Fotos. Videos darüber, wie ein Tattoo nach drei Jahren aussieht, warum Blowouts passieren, warum reines Rot so eine schwierige Sache ist. Wer meine Linien sieht, muss mir nicht glauben, was ich sage.
Und wenn du unsicher bist, ob du dich meldest: Hab keine Angst. Ich habe auch Angst, mit Menschen zu sprechen, weil mein Deutsch nicht so gut ist. Wir kriegen das zusammen hin.
Was ich mitgenommen habe
- Der Umweg zählt trotzdem: Musikschule, Kunstabteilung, Henna am Meer. Nichts davon war umsonst. Alles davon sitzt heute in meiner Hand.
- Such dir jemanden, der es wirklich kann: Ich habe lange nach der richtigen Lehrerin gesucht, statt einfach loszulegen. Das war die beste Entscheidung auf diesem Weg.
- Hör nicht auf zu lernen: Weiterbildung ist kein Extra. Das ist der Beruf.
- Der schwerste Schritt ist der zu dir selbst: Das Zeichnen war nie weg. Ich habe nur sehr lange gebraucht, es mir zu erlauben.
Wenn du magst, schau bei mir vorbei — auf Instagram unter @cato.tatoo und auf TikTok. Und wenn du selbst gerade anfängst oder noch überlegst, ob du es wagen sollst: Schreib mir. Ich weiß ziemlich genau, wie sich das anfühlt.
