„Du erziehst dir deine Kunden" – wenn der Rabatt teurer wird als die Absage

Die Anfrage ist raus, dein Preis steht drin — und dann passiert: nichts. Keine Antwort. Du schaust abends wieder ins Postfach, morgens nochmal. Und irgendwann kommt der Gedanke, den jeder in der Branche kennt: Komm, machen wir doch nochmal irgendwie dies oder das. Fünfzig Euro runter, damit der Termin nicht wegbricht. Die Miete zahlt sich ja nicht von selbst.
Genau dieser Fuffi ist die teuerste Entscheidung deines Monats. Und zwar nicht wegen der fünfzig Euro.
Nicht der Rabatt ist das Problem — sondern was darauf folgt
Markus „Skeet" Vossi bringt es im Toddcast auf einen Satz: „Du verkaufst dich damit unter Wert, aus Angst, der Kunde könnte den Termin absagen."
Es läuft bei jedem gleich: Dir springt jemand ab, weil es ihm fünfzig Euro zu teuer ist — also gehst du beim nächsten direkt fünfzig aus Angst runter. Der erzählt seinem Kollegen wie günstig du bist - genau dieser Kollege kommt an und weiß schon, dass da preislich was geht. „Das spricht sich rum. Es ist einfach so."
Was Du dir da antrainierst (Spoiler: nicht den Preis)
„Ich war jahrelang auch ein Freund von Rabatten", sagt Vossi — hier und da ein Aktionsmonat, nicht umsonst, aber sehr günstig. Heute hat er keinen Bock mehr drauf, und die Begründung ist der eigentliche Kern:
„Weil du erziehst dir deine Kunden darauf hin, dass die nur zu Aktionen kommen."
Das ist kein Preisproblem mehr, das ist ein Kundenproblem. Und es lässt sich nicht einfach zurückdrehen: „Das wieder aus den Leuten rauszukriegen ist fast unmöglich. Du musst quasi einen kompletten Community-Wechsel durchführen." Wer schon mal versucht hat, sich eine neue Kundschaft aufzubauen, weiß, was da wirklich dranhängt.
"Du hast es gut, Du bist doch Tattoo Artist"
Den Aufwand den keiner sieht
Es gibt diesen Satz, den Artists ständig zu hören bekommen: „Ach, du bist Tätowierer, du musst es doch gut haben. Setz dich da eine Stunde hin und dann kriegst du deine 400 Euro."
Die Gegenrechnung dauert dreißig Sekunden. Für die eine Stunde auf dem Stuhl hast du drei Stunden zu Hause an der Vorlage gesessen. Davor eine Stunde Beratung. Danach eine Stunde sauber machen.
Aus einer Stunde werden sechs. Wer davon dann noch fünfzig Euro abzieht, arbeitet nicht günstiger — der verkauft sich unter Wert. Und die Stunden davor und danach tauchen auf keiner Rechnung auf.
Günstiger ist erlaubt — aber als Tausch, nicht als Rabattaktion
Das Spannende: Vossi macht sehr wohl günstige Preise. Nur gibt er sie nicht her, er tauscht sie.
- Wanna-Dos: Das Motiv, das er unbedingt umsetzen will — „ich brauche nur eine Leinwand". Dafür gibt es einen guten Deal, und er bekommt Material für seinen Feed. „Win-Win für alle."
- Das Januar-Modell: Einen Monat lang anzahlen, die Termine übers Jahr verteilen, dafür ein günstigerer Tagespreis. Danach gilt wieder der normale Preis.
- Stark bleiben: Wenn Rabatt, dann angekündigt, begrenzt und begründet — kein spontanes Nachgeben im Chat.
Der Unterschied ist nicht der Betrag. Ein Rabatt nimmt dir etwas weg. Ein Tausch gibt dir etwas — ein Wanna-Do, endlich gestochen, oder ein planbares Jahr.
Deine Kunst, Dein Preis
Der Preis deiner Kunst kann nur von dir festgelegt werden. Sobald du in einem Chat anfängst, Rabattdiskussionen zu führen, verlierst du mehr als Zeit. In einem Angebot hingegen gibt es ENTWEDER einen Auftrag für dich, oder es gibt keine Rückmeldung.
Kurze Eigenwerbung 🤓 — genau deshalb schickt TODA den Preis als Angebot raus und nicht als Nachricht zwischen zwanzig anderen.
Und der Kunde, der absagt?
Der wäre beim nächsten Mal wieder wegen fünfzig Euro abgesprungen. Vossi formuliert die Konsequenz ohne Umweg: „Wer zu dir kommt und sagt, ich möchte das und das haben, der soll dann auch den Preis zahlen, den ich dafür verlange. Und wenn ihm das nicht passt, dann soll er woanders hingehen."
Das klingt hart. Es ist aber die einzige Wahrheit, bei der am Ende des Jahres noch etwas übrig ist — und bei der du dir die Community aufbaust, die deine Arbeit wollen und nicht deinen Aktionspreis. Wie Vossi von der Teilzeit-Schicht für 50 Euro pro Tattoo dahin gekommen ist, erzählt er in seiner eigenen Geschichte.
So bleibt mehr Zeit für das, was wirklich zählt: Deine Kunst.

